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Schattwand
Ein Bergdrama

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Lisbeth Comet - Galerie
Menschen ohne Gesichter, ein Dorf, das im Schnee erfriert, die unfassbare
Schattwand - als Severin Somm in Gspona eintrifft, ahnt er schon, dass
die Flucht vor seinem bisherigen Leben hier endet. Ein entfernter Bekannter
hat ihm in Gspona ein Haus vererbt. Zu seiner Ueberraschung steht es nicht
leer. Die unnahbare Bewohnerin, Lucrezia Camminada, geniesst sogar Wohnrecht
auf Lebzeiten. Wohl oder übel richtet sich Severin Somm in der anderen
Hälfte des Gebäudes ein. Bei seinen ersten Erkundungen stösst
er auf ein zugemauertes Zimmer. Er findet Frauen- und Kinderkleider, Spielzeug,
einen Stapel alter Skizzenbücher. Die Zeichnungen stammen von der
Frau des früheren Besitzers. Es sind die Bilder einer grossen Liebesgeschichte,
Dokumente eines Frauenschicksals in den Fünfziger Jahren.
Lawinenniedergänge schneiden Gspona von der Umwelt ab. Severin Somm
nimmt die letzte Chance zur Flucht nicht wahr. Die Rückkehr in sein
früheres Leben ist unmöglich. Die unaufhörlichen Schneefälle
schränken seinen Bewegungsradius immer mehr ein, bis er und Lucrezia
im Haus gefangen sind. Gegensätze und Welten prallen aufeinander.
Genau wie bei Severins Rekonstruktion der Vergangenheit. Er verliert sich
immer mehr in den Zeichnungen, in den Bergmythen, die sie heraufbeschwören,
im Leben der unbekannten Künstlerin. Er erfährt, wie sie und
ihr Mann Gspona der Welt hatten öffnen wollen, und wer die Familie
deswegen ins Verderben stürzte. Peider Capun, der Sohn des vermeintlich
Schuldigen, lebt noch immer im Tal. Als Lawinenwart ist Capun verantwortlich
für die Sicherheit der Eingeschlossenen. Er entpuppt sich als Geliebter
von Lucrezia. Auch deren Familie, findet Severin heraus, hatte in Gspona
gelebt, damals, an jenem Tag vor Jahrzehnten, an dem die Wand ihren Schatten
auf das Dorf warf und die Gsponer ihr Gesicht verloren.
Filmclip 1 Quicktime (mpeg 4)
Filmclip 2 Lawinen Quicktime
(mpeg4)
Idee/Kamera/Schnitt: Urs Augstburger
Erste Reaktionen auf "Schattwand" von:
Birgit Vanderbeke - Schriftstellerin, Markus Bundi - Aargauer
Zeitung, Andrea Spychiger - Verlagsvertreter ...., Franziska
Schläpfer - Buch aktuell, Irene Widmer - Journalistin
Bestsellerautorin Birgit Vanderbeke ("Muschelessen"):
Gerade war ich in den Walliser Alpen gewesen und hatte über diese
besondere Art der Schweizer Berge wieder einmal gestaunt, und wie sie
einen beschäftigen, auch beunruhigen können. Kurz danach bekam
ich ein
graues Buch in die Hand, eine Bergwand ist darauf eingeprägt, nur
so der
Schatten einer Bergwand, der Titel paßt, und sehr klein steht unter
dem
Titel "Bergdrama".
Es ist mindestens dreißig Jahre her, daß ich ein Bergdrama
gelesen habe,
das war immer wunderbar gruselig, aber es ist eben eine Weile schon her.
"Fortunat Wiler starb in der Nacht, als Noah gezeugt wurde."
Erst ist das Buch schön, und dann fängt es auch noch so an.
Und sofort will ich es genauer wissen, wie das mit Fortunat Wiler und
Noah war, und wie das zusammenhing, der Tod des einen mit der Zeugung
des anderen.
Das ist gegen 22 Uhr.
Gegen 3.30 Uhr weiß ich es. Dazwischen habe ich vergessen, auf die
Uhr
zu sehen; leider auch zu schlafen.
Es ist ein Bergdrama. Wenn man genau hinschaut, sind es sogar zwei
Bergdramen, was einem fast gar nicht auffällt, weil sie unmerklich
ineinander gearbeitet sind, ineinander übergehen, einen Bogen spannen,
einen Schweizerbogen über fünfzig Jahre irgendwo an der schweizerisch
-
italienischen Grenze, und man ist noch nicht fünf Seiten weit, da
hat
einen die Exotik des Bergalltags gepackt: mitsamt der Wolfsschlucht, den
Sonderlichkeiten eines fast leeren Dorfes, vergangener Vorgänge,
die
stückweise ans Licht gebracht werden, und das zieht einen rein in
das
Dorf Gspona bis weit in die Nacht, weil der Autor, Urs Augstburger,
natürlich weiß, worauf er sich - mitten im aktuellen Betrieb
der
alltäglichen Exotikimporte, die wir serienweise im Fernsehen bekommen
-
einläßt: daß er einen Genretext schreibt. Formale und
erzählerische
Rasanz und großes Raffinesse braucht das, wenn einer sich in eine
Gegend
begibt, in die die Handys nicht hineinreichen und wo die Stecker für
den
Laptop nicht kompatibel sind, und da wird es natürlich spannend.
Gruselig übrigens auch.
Obwohl diese Gegend doch ziemlich nah ist.
Das traut sich hierzulande und heutzutage kaum einer mehr. (...)
________
Markus Bundi, Aaargauer Zeitung
Urs Augstburger erzählt die beklemmende Geschichte der "Schattwand",
(...) und hat ein grandioses Puzzle - Spiel vorgelegt.
Humor, Fantasie und Erotik zeichneten schon Augstburgers vorangegangene
Romane aus. Hinzugekommen ist neu eine spezifische schriftstellerische
Geduld, wenn man das überhaupt so nennen kann. Urs Augstburger gelingt
im neuen Buch ein Verweilen bei einzelnen Figuren oder auch
Gegenständen; die Beschreibungen gewinnen dadurch an Präzision
und
Plastizität und erzeugen darüber hinaus eine eigentümliche
Beklemmung,
die mit schnellen Bildschnitten nicht zuerreichen ist. - Keine Frage:
diese "Schattwand" wird Leserinnen und Leser in ihren Bann ziehen.
(...)
_______
Andrea Spychiger, Verlagsvertreter (Hanser, Klett-Cotta, Zsolnay u.a.)
Das ist es wirklich: Ein Wurf! Wer hätte gedacht, dass es mal einer
schafft, die Mythen und Sagen der Bergwelt in einen modernen Roman zu
packen. Und nun dies: Nicht nur modern weil die Geschichte heute spielt
und Handy und Internet vorkommen, sondern und vorallem weil die
Geschichte in fast "filmischer" Schnitttechnik geschrieben ist
und auf
diese Weise eine Spannung entsteht, die den besten Krimis nahe kommt.
-
Oder gar übertrifft.
Ramuz, Ludwig Hohls Bergfahrt, Otto F.Walters "Stumme" kommen
einem in den
Sinn, wenn man atemlos durch die Manuskriptseiten hetzt, und dennoch ein
völlig eigenständiges und originelles Buch, auch eine wunderbare
Liebesgeschichte.
_______
Franziska Schläpfer, ,BuchJournal''
An den Verleger: Da habt ihr mir ja ein paar spannende Stunden ins Haus
geschickt. Schattwand - was für eine Geschichte! Sie hat mich gepackt
wie seit langem
keine mehr; ich kam mir vor wie die 17jährige Leseratte, die alles
um
sich her vergisst. Herzlichen Dank.
_______
Irene Widmer in ,Südostschweiz', ,Winterthurer Landbote' und
,Solothurner Zeitung'.
Mysteriöse Verwandtschaften, gewaltsame Tode, gruselige Sagengestalten,
Naturkatastrophen und animalischer Sex: In Urs Augstburgers Erzählung
"Schattwand. Ein Bergdrama" ist ziemlich viel los.
(...) Urs Augstburger weiss zu erzählen. Überzeugend wirkt insbesondere
seine kühle, trockene Sprache mit ihren kurzen, stakkatoartigen Sätzen.
"Fortunat Wiler starb in der Nacht, als Noah gezeugt wurde",
lautet etwa
prägnant der Anfangssatz. Leitmotive wie der Wolf sind klug gesetzt,
die
düstere, nur selten leicht aufgehellte Atmosphäre streng durchgehalten.
Wir merken, die Hauptperson erlebt so etwas wie eine Zeitenwende. Und
durch den Spalt zwischen Nicht mehr und Noch nicht dringt das
Irrationale ein: Mythos, Naturgewalt und das Animalische in einem drin.
Das ist schön gemacht.
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